Hauptschule empfohlen – Abi trotzdem geschafft

Übergabe Abiturzeugnis: Von der Hälfte der Gesamtschul-Abiturienten hätten die Grundschullehrer nicht geglaubt, dass sie diesen Moment am Freitag erleben werden.

59 junge Menschen haben in diesem Jahr ihr Abitur an der Gesamtschule Fröndenberg gemacht. Bei mehr als der Hälfte der Schülerinnen und Schüler hätten ihre Grundschullehrer das nicht für möglich gehalten.

Es ist eine Pressemitteilung mit politischem Zündstoff, die Hanna Matthäus, Abteilungsleiterin der Sekundarstufe II, rausgeschickt hat: „Besonders erfreulich ist auch in diesem Jahr wieder der hohe Anteil derjenigen Abiturienten, die trotz der Grundschulempfehlung für Haupt- oder Realschule das Abitur ablegen konnten (mehr als 50 Prozent)“, schreibt sie. Solche Zahlen sind Wasser auf die Mühlen der SPD, die gerade mit den Grünen in Koalitionsverhandlungen für eine Minderheitsregierung in NRW steht und die von CDU und FDP eingeführte „verbindliche Grundschulempfehlung“ korrigieren will. Heute können Eltern, die mit dem Grundschul-Urteil nicht einverstanden sind, nur noch auf einen mehrtägigen Prognoseunterricht pochen oder gegen das Votum der Schule klagen. Geht es nach den Sozialdemokraten, sollen die Eltern wieder Vorrang bei der Wahl der weiterführenden Schule bekommen. Außerdem stehen sie für längeres gemeinsames Lernen der Kinder.

Längeres gemeinsames Lernen

Das gemeinsame Lernen hält auch Klaus de Vries, Leiter der Gesamtschule Fröndenberg, für ideal. „Ein Schulsystem muss Kindern Entwicklungen offen lassen.“ Ähnlich schlimm wie eine Empfehlung für die Hauptschule, die sich im Nachhinein als nicht passend herausstellt, findet er eine Empfehlung fürs Gymnasium, wenn der Schüler dort scheitert. „Deshalb ist die Gesamtschule die richtige Schulform.“ Auch wer erst in der 9. Klasse die Kurve kriegt, kann noch das Abitur machen.

Schwerer Schritt in die Oberstufe

Das frühere Vorurteil, ein Gesamtschul-Abi sei leichter zu erlangen als die Reifeprüfung am Gymnasium zu bestehen, lässt er nach Einführung des Zentralabiturs erst recht nicht mehr gelten. Zumal es deutlich schwerer sei, auf der Gesamtschule in die Oberstufe zu kommen als am Gymnasium. „Bei uns müssen Schüler im Durchschnitt besser als Note drei sein.“ Im Gymnasium wird in die Oberstufe versetzt, wer nicht sitzenbleibt.

[WR vom 29.06.2010]
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