Heldenhaft wie der kleine, tapfere Ammar

Taner Cegit und Sebastian Kratzel (v.l.) haben das Projekt „Politik zum Anfassen“ selbst konzipiert. Fotos: Art
Taner Cegit und Sebastian Kratzel (v.l.) haben das Projekt „Politik zum Anfassen“ selbst konzipiert. Foto: Art

Viele lokale Helden tummeln sich derzeit in der „Local-Heroes“-Projektwoche der Gesamt- und Grundschulen. Doch keiner von ihnen hat wohl eine so anrührende Geschichte zu erzählen wie der neunjährige Ammar aus dem Jemen.
Ammar ist in der Tat ein tapferer kleiner Held, der zurzeit in einem von mehr als insgesamt 70 Projekten der Schulen im Mittelpunkt steht. Vor drei Jahren ist er im Jemen von einem Dach gesprungen. Dann folgte eine unendliche Leidensgeschichte, von der der kleine Junge zurzeit gemeinsam mit seiner Frömerner Gastmutter Irmtraut Schürle in dem Projekt berichtet. So schwer waren seine Verletzungen an Oberschenkel und Hüfte, dass er mithilfe des Hammer Forums nach Deutschland gebracht wurde. Zwei Jahre lang lag Ammar in einem Briloner Krankenhaus, hat elf Operationen hinter sich gebracht und bekam auch noch MRSA (besser bekannt als multiresistente Krankenhauskeime). Als er schließlich zu seiner Gastmutter nach Frömern kam, „habe ich mich erst nicht gefreut. Aber später schon“, sagt Ammar und lächelt die 71-Jährige an. Bei ihr hat er ein vorübergehendes Zuhause gefunden, solange seine Behandlung andauert. „Als er kam, saß Ammar im Rollstuhl. Jetzt kann er immerhin schon wieder ohne Hilfe laufen“, berichtet die Gastmutter. Auch sie ist eine lokale Heldin, finden die Schüler der Klassen acht bis zehn, die an dem Projekt teilnehmen. Mithilfe seiner Gastfamilie und Privatunterricht hat Ammar mittlerweile lesen, schreiben und rechnen gelernt. Deutsch spricht er fließend – seine Muttersprache arabisch allerdings nicht mehr. Deshalb hat Ammar sich jüngst auch sehr gefreut, als sein Onkel anrief und zufällig jemand im Haus war, der übersetzen konnte.

Gestern ist der Neunjährige zunächst jedoch ungewohnt schüchtern, als er in einem Klassenraum der Gesamtschule plötzlich im Mittelpunkt des Interesses so vieler Menschen steht. Die Schüler erfahren mit seiner Hilfe, wie das Hammer Forum arbeitet, das für Kinder aus Kriegs- und Krisengebieten humanitäre und medizinische Hilfe leistet. Aber auch praktische Dinge stehen auf dem Stundenplan. Die Schüler basteln Sorgenpüppchen und kochen Gerichte aus dem Jemen.

Doch es gibt noch mehr Helden, die in der „Local-Heroes“-Woche an der Gesamtschule im Mittelpunkt stehen. 1600 Schüler beteiligen sich an den Projekten.

[Hellweger Anzeiger, vom 10.11.2010]
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