Fit für den Start ins Berufsleben

Einen Vorgeschmack, wie es sich anfühlt, wenn Unternehmen Bewerber sprichwörtlich in die Mangel nehmen, bekamen gestern die Gesamtschüler des elften und zwölften Jahrgangs.

Zum Assessment-Center gehört auch, Vorträge zu aktuellen Themen zu halten. Dabei kommt es in erster Linie nicht auf die Inhalte an, sondern auch, wie man sich präsentiert.  Foto: Grzelak

Konzentriert schaut Jakob Walter noch einmal über die Aufgaben, ehe er die Zettel abgibt. Er hat gerade seinen ersten Eignungstest hinter sich gebracht – in keinem Unternehmen, sondern in der GSF. Er ist einer von knapp 130 Mädchen und Jungen des elften Jahrgangs, die sich gestern auf den Ernstfall bei der Jobsuche vorbereitet haben. Denn Eignungstests werden einem Großteil von ihnen zwangsläufig begegnen. „Die meisten Unternehmen steigen mit einem Eignungstest ein“, weiß Oliver Luig. Er ist Vertreter einer Krankenkasse, die seit drei Jahren Eignungstests mit den Gesamtschülern durchführt, um sie so auf das Leben nach der Schule vorzubereiten. Von Konzentrationsaufgaben wie dem richtigen Zuordnen von Zahlen- und Buchstabenkombinationen über Kopfrechnen bis hin zum Allgemeinwissen ackerten sich die Elftklässler gestern durch die seitenlangen Aufgabenblöcke.

„Es war ganz interessant mal zu sehen, wie so ein Test aussieht“, sagt Jakob Walter, als er nach mehr als zwei Stunden den letzten der drei Aufgabenblöcke abgegeben hat. Der Test war für ihn hilfreich – vor allem, weil er festgestellt hat, dass die Aufgaben so ganz anders aussahen, als er es aus dem Unterricht gewohnt ist.

Wie der 16-Jährige sich geschlagen hat, erfährt er in ein paar Wochen. Dann bekommt er schriftlich eine Auswertung seines Tests. „Für die Schüler ist das sehr hilfreich, sie bekommen so eine Rückmeldung, wo ihre Stärken und Schwächen sind“, sagt Hanna Matthäus. Als Oberstufenleiterin wird auch sie informiert – allerdings nur über das Gesamtergebnis der Stufe. Das sei in der Vergangenheit im Vergleich zu anderen Schulen etwa in Menden für die GSF übrigens erfreulich ausgefallen, berichtet Luig, der in den nächsten Monaten mit seinen Kollegen auch in den Gymnasien der Hönnestadt mit den Tests vertreten sein wird.

„Für jeden anspruchsvolleren Ausbildungsberuf wird heute ein Assessment-Center durchgeführt.“  Bewerbungsberater Oliver Luig

Im kommenden Jahr geht die Berufsvorbereitung für Jakob Walter übrigens in die nächste Runde. Dann kann er als Schüler des zwölften Jahrgangs an einem sogenannten Assessment-Center-Training teilnehmen – wie es gestern seine Mitschüler eine Stufe über ihm taten.

Ein Assessment-Center ist ein Einschätzungs- und Beurteilungscenter, bei dem die Arbeitgeber ihre potenziellen neuen Mitarbeiter auf Herz und Nieren prüfen. Wie so etwas abläuft, lernten die Zwölfer der Gesamtschule gestern kennen. Ist der Eignungstest noch verpflichtend, konnten sie sich zu diesem Training freiwillig anmelden. Mit 50 Schülern hat immerhin die halbe Oberstufe das gestrige Angebot genutzt.

Die erste Hürde mussten die jungen Erwachsenen gleich zu Beginn mit der Vorstellungsrunde nehmen, für die jeder drei Minuten Zeit bekam. „Die meisten sind schon nach 30 Sekunden fertig“, schmunzelte Luig. Schließlich ließ er die Schüler in Gruppen 15 Minuten lang diskutieren. „Die Ergebnisse sind dabei zweitrangig“, verriet Luig. Viel mehr komme es darauf an, wie sich die Schüler präsentieren.

Immer mehr Unternehmen führen heutzutage Assessment-Center durch. „Für jeden anspruchsvolleren Ausbildungsberuf wird heute eigentlich ein Assessment-Center durchgeführt, selbst für Stipendien an der Uni“, weiß Luig. Das passt zum Trend an der Gesamtschule Fröndenberg. Denn 70 Prozent der Schüler, so Hanna Matthäus, wollen nach ihrem Abitur noch studieren.

Obwohl das Vorstellungsgespräch eigentlich erst nach dem erfolgreich absolvierten Assessment-Center folgt, wurden die Schüler auch darauf gestern schon vorbereitet. Dabei versorgte Oliver Luig seine Schützlinge zusammen mit seinem Kollegen Reinhard Neitzke mit allerhand Bewerberknigge. So gaben sie zum Beispiel den Tipp, sich im Vorstellungsgespräch erst dann hinzusetzen, wenn ihnen der Platz angeboten wird – und das dann auch noch möglichst gleichzeitig mit dem Gegenüber.

 

[HA, vom 24.01.2015]
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