Der „Wiesen-Pythagoras“ sitzt im Forscherpark

Gesamtschüler begeistert vom anschaulichen Mathe-Unterricht im Grünen

Statt Buch und Bleistift packt die 9.6 der Gesamtschule Heuschnupfen-Mittel und Sonnencreme ein, wenn Lehrerin Annegret Brehmen-Baumann zum Matheunterricht in den Forscherpark lädt.

Mit dem Drehkreuz messen Mika und Leon die Breite des Teiches aus. Mit von der Partie ist auch hier der Satz des Pythagoras.
Mit dem Drehkreuz messen Mika und Leon die Breite des Teiches
aus. Mit von der Partie ist auch hier der Satz des Pythagoras.

„Wenn der Heuschnupfen nicht wäre, dann wäre das der perfekte Matheunterricht“, strahlt der 15-jährige Mika Brenner. Im Forscherpark der Gesamtschule errechnet der Neuntklässler gerade gemeinsam mit Leon Habring die Breite des Teiches. Mathematik einmal im Grünen. Naturwisschenschafts-Lehrerin Annegret Brehmen-Baumann hat schon lange darauf gebrannt, mit den Schülern ins Freie zu gehen, um dort die Anwendung von Pythagoras und Strahlensätzen am „lebenden“ Objekt zu veranschaulichen. Nun ist es endlich so weit. Mika und Leon schlagen das Drehkreuz in die Erde, das ihnen einen rechten Winkel liefert. Daran ausgerichtet werden zwei Seile zu beiden Seiten des Teiches gespannt. Mika misst die Strecke vom Drehkreuz zum einen Ufer: „8,80 Meter“, ruft er Leon zu. Der misst die andere Seite aus: 8,35 Meter sind‘s. Allerdings konnte an der Seite das Seil nicht genau am Ufer platziert werden. Zumindest nicht, ohne in die Brennnessel zu steigen. 80 Zentimeter zum Ufer fehlen. Dann beginnen die beiden Neuntklässler zu rechnen. Der gute, alte Pythagoras (a 2 + b 2 =c 2 ) kommt zum Einsatz: 8,80 2 plus 8,35 2 =147,1625. „Jetzt müssen wir nur noch die Wurzel ziehen“, tönt Mika, tippt die Zahl in den Taschenrechner und verkündet: „12,13 Meter sind‘s.“ Nun noch schnell die fehlenden 80 Zentimeter abgezogen, macht 11,33 Meter. So breit ist der Teich. „Na, mal gut, dass wir den Pythagoras kennen. Das Maßband hat nur zehn Meter und wäre zu kurz gewesen zum Ausmessen“, lobt Annegret Brehmen-Baumann.

An anderer Stelle errechnet Tim Herrmann, wie hoch der Nadelbaum im Forscherpark ist. Dazu hat er sich an einem Spazierstock Markierungen angebracht. Eine in acht Zentimetern Länge und eine in 80 Zentimetern. Dann hält er den Stock so, dass dessen Spitze in Sichtlinie mit der Baumspitze übereinstimmt. Dann gibt er der Lehrerin vor, an welcher Stelle des Baumstammes er die untere seiner Spazierstock-Markierungen sieht. „Wenn man von dort bis zum Boden misst, erhält man einen Wert, den man dann nur noch mal zehn rechnen muss“, erklärt Tim, während seine Lehrerin die Stelle ausmisst. „1,20 Meter bis zum Boden“, ruft sie. Der Baum ist also 12 Meter hoch. „Eine alte Förstermethode“, weiß die 55-Jährige. Zur Anwendung kommt dabei der Strahlensatz.

Lina, Sören, Lehrerin Annegret Brehmen-Baumann und Janina „zaubern“ mit der Knotenschnur einen rechten Winkel.
Lina, Sören, Lehrerin Annegret Brehmen-Baumann und Janina
„zaubern“ mit der Knotenschnur einen rechten Winkel.

„Das macht wirklich mehr Spaß als im Klassenzimmer“, schwärmt nebenan Lina Degenhardt, während sie mit ihren Klassenkameraden Sören Reichert und Janina Dreber mit einer Knotenschnur einen rechten Winkel im Gelände erzeugt. Unzählige solcher praktischen Anwendungen stehen in dieser ungewöhnlichen Mathestunde auf dem Plan. Winkelmessung, um die Geländeneigung festzustellen, Försterdreieck zum Bestimmen der Baumhöhe – die 15- und 16-Jährigen sind begeistert.

Fast so sehr wie ihre Lehrerin, die sich für die Projektwoche nach den Herbstferien schon eine vollständige Vermessung des neuen Forscherparks vorgenommen hat. „Auf Luftbildern ist der Park 1,5 Hektar groß. Doch wegen der Topografie müssen das viel mehr sein“, ist die 55-Jährige kaum zu bremsen, wenn es um ihr Lieblingsfach geht. Die „Ohs“ und „Ahs“ ihrer Schüler, die immer wieder ausrufen „ach dafür ist das da“, sind ihr schönster Lohn. Und als Mika bestätigt: „Der Pythagoras sitzt. Den werden wir wohl nicht wieder vergessen“, lächelt sie zufrieden. „Und wie ihr den kennengelernt habt, werdet ihr wohl noch euren Kindern und Enkeln erzählen“, schmunzelt Baumann.

Forscherpark hat neuen Rasenmäher-Fuhrpark

Geht es um den Forscherpark, sind die Gesamtschüler kaum zu bremsen. Sie scheuen keine „Überstunden“, um den Forscherpark zu pflegen. Allen voran die Schülern der Arbeitsgemeinschaft „Wald & Wiese“, die keine Mühen gescheut haben, um im Forscherpark im wahrsten Sinne des Wortes Land zu gewinnen. Der neue „Fuhrpark“ an Rasenmähern ist dabei eine willkommene Motivation, auch in den Sommerferien nicht den Anschluss zu verlieren. Es sind sogar drei Arbeitseinsätze der AG in den Sommerferien geplant, an denen auch einige Sponsoren beteiligen wollen. Letztere sind auch immer noch willkommen. Ungefähr 60 000 Euro braucht die GSF über die Jahre, um den Forscherpark einzurichten.

Spendenkonto

Spendenkonto für den MINT-Forscherpark: DE78 4435 1740 0000 0046 55; Verein der Elternschaft, Freunde und Förderer der Gesamtschule Fröndenberg e.V.

[Hellweger Anzeiger, vom 20.06.2015]
, , , ,
Vorheriger Beitrag
Heißer Sommer und bunter Herbst für die Schüler
Nächster Beitrag
Mit dem GSF-Cup in die Ferien
Menü