Schule ohne Rassismus: GSF bewirbt sich um Titel und diskutiert über Namen Hindenburghain

„Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ – um dieses Siegel bewirbt sich die Gesamtschule Fröndenberg. Eine große Rolle spielt dabei die Auseinandersetzung mit der NS-Zeit. Auch der Hindenburghain war jetzt Thema.

Die Gesamtschule Fröndenberg macht sich zurzeit auf den Weg, das Siegel „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ zu erhalten. Der Projektentwurf sieht vor, dass sich der Jahrgang 9 an der GSF mit der Entstehung des Nationalsozialismus in Deutschland befassen wird.

Erschütterung über brennende Synagogen und die Lügen über Juden

Die Klasse 9.3 von Anja Laux hat sich im Fach Gesellschaftslehre erst kürzlich mit der NS-Zeit befasst. Natürlich spielten die Person Adolf Hitlers und die Verbrechen der Nazis dabei eine zentrale Rolle. Sarah haben die brennenden Synagogen erschüttert und die Lügen Hitlers über die Juden. „Die Juden sollten an allem Schuld sein“, erfuhr sie im Unterricht. Ihr Mitschüler Dustin pflichtet ihr bei: „Die Judenverfolgung ist das Grausamste, das bei mir hängen geblieben ist.“ Dustins Urgroßmutter hat den Angriff Deutschlands 1939 in Polen erlebt. „Sie hat meiner Großmutter alles erzählt, damit sie es an uns weitergibt.“

»Die Jugend weiß heute schon allgemein wenig über die Zeit.«
DUSTIN, DER SICH INFOTAFELN AN STRASSENSCHILDERN MIT HISTORISCHEN NAMEN WÜNSCH

Anja Laux hat festgestellt, dass manche Begriffe drohen zu verblassen und Schüler sie nicht mehr mit dem dahinter stehenden Ereignis verbinden können, etwa den sogenannten Anschluss Österreichs im Jahr 1938. „Der Name Ostmark taucht in bestimmten Lehrwerken nicht mehr auf“, weiß die Vorsitzende der Fachgruppe Gesellschaftslehre an der GSF.

Lokaler Bezug spielt Rolle beim Schule-ohne-Rassismus-Projekt

Aber auch der lokale Bezug spielt eine Rolle bei dem Schule-ohne-Rassismus-Projekt des bundesweiten Schulnetzwerks. Was etwa passierte zwischen 1933 und 1945 in Fröndenberg? Dass auch aus ihrer Heimatstadt Fröndenberg Juden vertrieben oder verschleppt wurden, erfahren die Gesamtschüler zum Beispiel bei Führungen mit Stadtarchivar Jochen von Nathusius. An diese Ereignisse wird erinnert, ihrer Opfer wird bis heute gedacht, etwa durch Stolpersteine in Gedenken an die jüdischen Familien Eichengrün oder Neufeld.

Wirken Vorgänge aus dem Dritten Reich sogar noch bis heute fort in der Stadt? Bei einem Besuch unserer Redaktion in der Klasse 9.3 kommt es zur Diskussion über den Hindenburghain, der 1933 durch den NS-Gemeinderat seinen Namen erhielt. Die Fröndenberger Jusos hatten angeregt, die Grünanlage wieder Ruhrpark zu nennen. Die Meinungen der Neuntklässler sind sehr differenziert. Sollte man das wirklich tun oder den bekannten Namen nicht doch belassen?

»Es gibt so viele Menschen, die etwas Gutes tun. Warum sollte man, Menschen, die etwas Schlechtes getan haben, ständig ehren?«
INA ÜBER DEN NAMEN HINDENBURGHAIN

„Es gibt viel Wichtigeres auf der Welt“, vertritt Ermond eine klare Meinung gegen eine Umbenennung und denkt, für die meisten in seinem Alter zu sprechen. Sarah sieht es ähnlich: „Damit versucht man, die Vergangenheit von Deutschland zu verstecken, man sollte aber dazu stehen.“ Marcel sieht das anders. Straßen umzubenennen koste vielleicht Geld, „aber Hindenburg hat es nicht verdient, so geehrt zu werden, weil er Hitler zum Reichskanzler ernannt hat.“

Marleen zieht einen bewusst überspitzten Vergleich. Der Fröndenberger Markt hieß von 1933 bis 1945 Adolf-Hitler-Platz. „Würde der Markt heute noch so heißen, würde das etwas über die Stadt aussagen. Das ist defintiv nicht, was wir wollen und was wir sind.“ Aber verhält es sich mit Paul von Hindenburg genauso?

Die Neuntklässler diskutieren darüber sehr sachlich, tauschen Argumente aus. Wenn auch viele den Namen belassen wollen, halten alle zumindest eine Infotafel über die Person für richtig. Auch wenn der Hindenburghain einmal Teil des Sportparks werden sollte, wie aktuell in der Politik diskutiert wird.

Die Von-Stauffenberg-Straße hat auch eine Infotafel über die Person

Man könne das doch beim Hindenburghain so machen wie bei der Von-Stauffenberg-Straße, wo eine Erläuterung unter dem Straßenschild angebracht ist, findet Kevin. „Dass man weiß, dass Hindenburg keine gute Person war.“ Alex fällt dazu ein, dass Hindenburg „auch nicht wahrhaben wollte, dass der Erste Weltkrieg verloren wurde.“ Jonas wiederum wendet ein, dass es „nach einer Rechtfertigung aussehen würde, wenn man eine Infotafel anbringt.“ Also den Namen doch lieber ganz verschwinden lassen?

Menden hat 2018 einige Straßen mit NS-belasteten Namen umbenannt

In Inas Heimatstadt Menden sind im vergangenen Jahr Straßen mit belasteteten Namensgebern aus der NS-Zeit umbenannt worden. „Es gibt so viele Menschen, die etwas Gutes tun – warum sollte man Menschen, die etwas Schlechtes getan haben, ständig ehren?“, fragt die Neuntklässlerin in die Klasse.

(Hellweger Anzeiger, vom 10.05.2019)

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