Gesamtschule Fröndenberg wird digital – doch nicht jeder Schüler kann sich ein iPad leisten

Die Gesamtschule Fröndenberg begrüßte am Donnerstag die neuen Fünftklässler im ersten frisch errichteten Jahrgangsbereich des Schulgebäudes – nach der Grundschulzeit mit der Kreidetafel war es auch so etwas wie der Sprung in eine andere Welt, die digitale Welt.

Dort halten sich selbst Zehnjährige aber längst täglich auf, im Internet per Smartphone oder Laptop. „Schüler lernen heute auch auf Youtube“, weiß Schulleiter Klaus de Vries.

Dort tummeln sich Lehrer, die Kindern in selbst gedrehten locker-flockigen Videos Mathe, Physik oder Chemie beibringen – mit riesengroßer Resonanz. Kurze Filme, bewegte Bilder – dort holt die GSF ihre Schülerinnen und Schüler nun ab.

Künftig werden Schüler für den Unterricht selbst kleine Lehrfilme erarbeiten, erläutern damit etwa die Binomische Formel. „Von ihren iPads können wir die Filme auf die Tafel in der Klasse streamen“, erklärt de Vries.

Die geistige Arbeit ist damit nicht getan. „Der Lösungsweg des Schülers wird dann gemeinsam reflektiert“, so de Vries.

»Von ihren iPads können wir die Filme auf die Tafel in der Klasse streamen.«
Klaus de Vries, Schulleiter der GSF

Drei iPad-Klassen gibt es an der GSF bereits, jeder Schüler in diesen Schulklassen besitzt also eine eigene kleine digitale Schreibtafel. Daneben hält die Schule einen iPad-Koffer mit 15 Geräten, die entliehen werden können, vor.

Es sind die Eltern, die ihren Kindern das Arbeiten mit den internetfähigen Kleincomputern ermöglichen – sie sind sämtlich privat finanziert worden. Und hier tut sich die soziale Frage auf: Klafft irgendwann eine Lücke zwischen hypermodern ausgerüsteten iPad-Schülern und dem Rest, der Füller und Heft benutzt?

Schulleiter Klaus de Vries ist die Problematik bewusst und er hat klare Forderungen an die Politik: „Da muss sich das Land jetzt entscheiden“, sagt er mit Blick auf den einen Zuschuss hier und das nächste Programm dort.

Geld aus dem Digitalpakt Schule reicht nicht für alle Schüler

Erst am Dienstag war bekannt geworden, dass Fröndenberg aus dem Digitalpakt Schule 707.000 Euro erhalten wird. Doch Ole Strathoff, Fachbereichsleiter Schule, hat die Förderrichtlinien studiert: Für mobile Endgeräte dürfen maximal 25 Prozent des Gelds verwendet werden.

Klaus de Vries bringt das Bildungs- und Teilhabepaket ins Spiel: Schulbedarf wird hieraus für einkommensschwache Familien teilweise finanziert. Bislang gibt es aber nur minimale Zuschüsse für digitale Geräte.

 

Immerhin habe man bereits für die bestehenden iPad-Klassen einen Anbieter gefunden, der auf Basis eines Sozialfonds auch eine großzügige Ratenzahlung ermöglicht.

Man wünscht sich aber mehr, damit sich der digitale Umbau der GSF am Ende auch auf dem Tisch jedes einzelnen Schülers widerspiegelt. Denn der iPad-Koffer, den die Lehrer in „iPad-lose“ Klassen mitnehmen, hilft letztlich nur sporadisch.

De Vries nimmt Eltern unterdessen auch die Sorge, die digitale Lernform könnte Schulbuch, Heft und Stift womöglich gänzlich ersetzen.

Auch die Schreibschrift wird noch gebraucht und perfektioniert. Bei der geistigen Entwicklung ist sie ein Mosaiksteinchen. „Motorik ist wichtig“, nennt Klaus de Vries eine Fähigkeit, an der im Kindesalter noch geschliffen werden kann.

Bei allem Weitblick, den die digitale Ausstattung beweist, sieht die Gesamtschule aber auch ihre Herausforderungen dabei und die ungelösten Probleme.

Kritischer Umgang mit digitalen Geräten wird an der GSF gelernt

Einen „kritischen Umgang“ mit den digitalen Geräten, so de Vries, müsse man den Schülern vermitteln. „Wie kann ich ein iPad sinnvoll einsetzen, wie lange sollte ich es nutzen?“, seien die Fragen, mit denen sich die Schüler auseinandersetzen sollen.

Wer am Vorabend vielleicht noch auf seinem Smartphone gedaddelt hat, erlebt das technische Gerät im Unterricht am nächsten Morgen als Lernmedium. „Das ist eine Riesenherausforderung“, weiß der Schulleiter.

Auch für manche Lehrerkollegen, die künftig beruflich viel stärker in die digitale Welt eintauchen müssen, als sie es privat womöglich je getan hätten. Klaus de Vries: „Da brauchen wir unbedingt Expertise.“

 

(Hellweger Anzeiger, 29.08.2019)

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