Den Buschbränden so nah und doch so fern

Nach ihrem Abitur an der Gesamtschule sind Nils Droste und Steffen Beckmann auf eine Work & Travel-Tour nach Australien gereist. Die Buschbrände erleben sie derzeit in einer emotionalen Zwickmühle.

Australien steht für Abenteuer und ist Sehnsuchtsort für junge Menschen: Nils Droste und Steffen Beckmann erfüllten sich gleich nach ihrem Abitur an der Gesamtschule Fröndenberg einen Traum. Seit Wochen erleben sie die Buschbrände aus der Nähe – und fühlen sich hilflos.

„Die heißeste Temperatur, die wir bis jetzt erlebt haben, betrug 42 Grad Celsius“, berichtet Nils Droste aus Melbourne. Dass die beiden Mitteleuropäer sich auf eine sengende Sonne auf dem fünften Kontinent einstellten, versteht sich von selbst. In Australien ist jetzt Sommer. Dabei gilt das Klima im Süden Australiens, wo sich die beiden Freunde jetzt aufhalten, als gemäßigt; der Norden ist dagegen tropisch.

Die schlimmsten Buschfeuer seit Menschengedenken aus der Nähe miterleben zu müssen – daran haben die Abiturienten vor Antritt ihrer Work & Travel-Tour dagegen keinen Gedanken verschwendet.
Work & Travel, das bedeutet, nicht unmittelbar nach der Schule in eine Ausbildung oder ein Studium zu starten, sondern die Welt zu erkunden, fremde Kulturen kennenzulernen und schlicht fürs Leben zu lernen. Und sich den Lebensunterhalt so weit möglich selbst zu verdienen.

Mit dieser Abenteuerlust starteten auch Nils Droste und sein Abikumpel Steffen Beckmann im vergangenen September nach Down Under. Zwischen dem Duo aus Fröndenberg und unserer Redaktion entwickelte sich in dieser Woche ein spannender Austausch über WhatsApp.

In Cairns, einer Stadt im Norden des nordöstlichen Bundesstaats Queensland, begann die Reise der jungen Männer. Dort kauften die beiden Abiturienten zunächst ein Auto, mit dem sie an der Ostküste entlang reisten.
Auf ihrem Weg nach Süden arbeiteten die beiden einen Monat lang in Bundaberg auf einer Tomatenfarm. Den Job zu bekommen, war einfach: Die Stellenanzeige dafür hatten sie auf Facebook gesehen.

Das Pflücken von Tomaten konnte man auf einer Landmaschine sitzend oder laufend erledigen. „Für das Laufen gab es etwas mehr Geld“, erzählt Nils Droste. Gut bezahlt war aber beides nicht. Daher trugen die deutschen Gastarbeiter schließlich die vollen Eimer von anderen Pflückern aus den Reihen – dafür gab es einen ordentlichen Stundenlohn.
„Die Arbeit hat bis jetzt nicht für den Lebensunterhalt gereicht“, geben die Globetrotter zu – sie haben sich allerdings auch bewusst dafür entschieden, zunächst Land und Leute kennenzulernen.

Silvesterfeuerwerk in Sydney, eine Stippvisite in der australischen Hauptstadt Canberra und aktuell die Metropole des Südens, Melbourne – an bleibenden Eindrücken aus dem so fern liegenden Erdteil mangelt es nicht.
Die Temperatur liegt meistens irgendwo zwischen 25 und 35 Grad. Nachts kann es auch schon mal 11 Grad kalt werden. „Ja, das Klima ist schon ein bisschen anders“, sagt Nils Droste, als das deutsche Winterwetter erwähnt wird.
Buschbrände erleben die Traveller nur am Rande.

Die Buschbrände in Australien, die seit Wochen wüten und die Schlagzeilen auf der ganzen Welt, nicht zuletzt in Deutschland, beherrschen, erleben Nils Droste und Steffen Beckmann aus einer eigenartigen Distanz: Räumlich sind sie den Feuern sehr nah und doch beeinflussen sie ihren Aufenthalt nur am Rande.

„Glücklicherweise haben wir bis jetzt nur einen sehr kleinen Brand auf Fraser Island gesehen“, erinnert sich Nils Droste. Rauch am Himmel und Feuergeruch in der Luft sind aber ein bald tägliches untrügliches Zeichen, dass die Feuer immer noch lodern. Schöne Städte, atemberaubende Strände und Wälder, dazu treffen sie auf sehr freundliche und hilfsbereite Australier – eigentlich befinden sich die jungen Deutschen derzeit in paradiesischen Umständen.

Und doch ist der Kontinent derzeit von einem Inferno gefangen genommen. In Gefahr durch Feuer waren die Ortsunkundigen selbst aber nie, zumal die örtlichen Behörden Straßen, die von Bränden betroffen oder gefährdet sind, sofort sperren. Nils Droste bestätigt, dass das Thema Buschbrände zwar oft aufkomme, wenn er mit seiner Familie in Fröndenberg telefoniert. Die Australier hören sie aber eher selten über Details sprechen.

Dass es noch nie so schlimm war – das werde allerdings immer wieder von den Einheimischen erwähnt. Auf einem der Campingplätze, auf denen sie übernachten, kamen auch einige Australier unter, die vor den Feuern fliehen mussten.
Trotzdem wird ihr Trip durch Australien voraussichtlich noch bis zum Sommer weitergehen. Neuseeland wäre noch so ein weiteres Ziel. Nils Droste und Steffen Beckmann haben gewissermaßen auch schon das langsame Erwachsenwerden durch „Work & Travel“ etwas beschleunigt. Das war auch ein Motiv von Nils für die Reise.

„Selbstständiger wird man auch auf jeden Fall. Ein Autokauf ist zum Beispiel nicht ganz unkompliziert und generell muss man alles alleine organisieren“, weiß er. Und um Dinge wie Kochen, Wäsche waschen oder Einkaufen komme man natürlich auch nicht herum.

Zurzeit suchen sie wieder einen Job. Und trotzdem lässt sie auch die Brandkatastrophe nicht ganz los. „Es beschäftigt einen natürlich schon, in einem Land zu sein, in dem eine solche Katastrophe herrscht“, verrät Nils Droste. Doch obwohl sie den Feuern ja relativ nah sind, „ist es sogar für uns schwierig, das Ausmaß der Katastrophe einzuschätzen“. Denn von den Buschbränden halten sie sich natürlich zu ihrer eigenen Sicherheit fern.

In ihren Entscheidungen sind sie in Australien vollkommen frei. Dennoch sagen Nils Droste und Steffen Beckmann: „Wir haben jedoch schon mit dem Gedanken gespielt, vielleicht ehrenamtlich betroffene Regionen zu unterstützen.“ Vielleich ein weiterer Schritt, noch selbstständiger zu werden.

Mehr zum Thema finden Sie auf www.hellweger.de

(Hellweger Anzeiger, vom 21.01.2020)

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