Offenes Ohr auf jeder Ebene: Wie die GSF mit Krisen ihrer Schüler umgeht

Die Schule nimmt im Leben von Kindern einen wichtigen Stellenwert ein. An der Gesamtschule teilen Schüler mit bestimmten Mitarbeitern auch ihre Sorgen. Dabei kann es auch um Mobbing gehen.

Krisen im Leben von Kindern können ganz unterschiedlich aussehen. Manchmal ist es ein Streit in der Familie, der sie belastet, bei einem anderen Kind ist vielleicht das Haustier gestorben und wieder ein anderes fühlt sich in der Schule von seinen Mitschülern nicht akzeptiert, vielleicht gemobbt.
Auch wenn diese Probleme alle verschieden sind, haben sie eines gemeinsam: Schüler der Gesamtschule Fröndenberg können sich mit ihnen an diverse Mitarbeiter der Schule wenden. Um sich um die Themen Konflikte und Krisen zu kümmern, ist die Gesamtschule personell breit aufgestellt. Zum Beispiel gibt es die Schulsozialarbeiter Ina Dorn, Tanja Bornemann, Hans Smedinski und Maria Leismann.

Pandemie stellt Schüler vor zusätzliche Herausforderungen

„Die Corona-Pandemie führt vermehrt zu sozialen Ängsten: Wie bewege ich mich in Gruppen, wie positioniere ich mich? Die Kinder müssen ihre Rolle erst wieder finden“, beobachtet Ina Dorn ganz aktuell. Haben Kinder solche Ängste oder Probleme, können sie unter anderem in die Büros der Schulsozialarbeiter kommen und das vertrauliche Gespräch suchen.

»Mobbing ist immer anders und vielschichtig.«
Peter Nolte

„Die Schüler sollen auch Spaß am Schulleben haben, nicht nur am Lernen“, sagt Hans Smedinski. Getrübt werden kann dieser Spaß, wenn Kinder das Gefühl haben, von Mitschülern gemobbt zu werden. „Die Eltern sind die letzten, die es mitbekommen. Mobbing läuft im Stillen, bis eine Welle losbricht“, erklärt Peter Nolte. Er ist Abteilungsleiter für die Jahrgänge 8, 9 und 10. „Mobbing ist immer anders und vielschichtig.“

Für die Mitarbeiter eine Herausforderung. Tritt ein Mobbing-Fall auf, sind mehrere Akteure daran beteiligt. Es gibt nicht nur den Täter und das Opfer, sondern beispielsweise auch die große Masse, die von dem Mobbing weiß, aber nicht handelt. „Die Rollen sind nicht immer sehr einsichtig im Alltag“, erklärt Nolte.

Ein Schritt nach dem nächsten gehen

Die Prävention ist im Schulalltag fest integriert, erklärt Ute Eberitzsch, Abteilungsleiterin der Jahrgangsstufen 5, 6 und 7. So gebe es zum Beispiel eine Klassenlehrerstunde in der Woche, in der es unter anderem um Teambildung gehen soll. Wird aber ein Konflikt oder Mobbing-Fall an die Mitarbeiter der Schule herangetragen, werde dem genau nachgegangen. Dafür muss zunächst die Ist-Lage ergründet werden. Eberitzsch erklärt, warum die Ermittlung des Sachstands wichtig ist: Es müssten zunächst alle Seiten mit ihren Sichtweisen angehört werden, um dann zu entscheiden, wie sich der Fall abgespielt hat.

»Es ist ein Prozess, den man gut im Auge behalten muss.«
Ina Dorn

Einmal wöchentlich und bei Bedarf tagt eine Beratergruppe, in der langfristige Fälle, die nicht ad hoc geklärt werden können, dann wiederum von mehreren Seiten betrachtet und das Vorgehen besprochen wird. Zu der Beratergruppe gehören die Abteilungsleiter des jeweiligen Jahrgangs, Beratungslehrkräfte und Sonderpädagogen sowie die Schulsozialarbeiter.
Ist der Sachstand erhoben und geklärt, welche Maßnahmen ergriffen werden sollen, wird das ganze dokumentiert. „Es ist ein Prozess, den man gut im Auge behalten muss“, sagt Ina Dorn. Denn Mobbing könne nach einer ersten Besserung der Situation auch einige Zeit später wieder aufleben, sodass eine ausführliche Dokumentation der schon gegangen Schritte hilfreich sein kann, um die Situation neu zu beurteilen.

Individuelle Entscheidung für und gegen bestimmte Maßnahmen

Laut Peter Nolte wird ein „Maßnahmenpaket geschnürt“. Die Liste der Maßnahmen ist lang: Von Reflexionsgesprächen über Deeskalationstraining bis hin zum Klassenwechsel oder dem Verweis von der Schule. Darüber hinaus können an der GSF auch zwei Methoden Anwendung finden, für die die Mitarbeiter geschult sind.

Tanja Bornemann erklärt die Unterschiede: „Beim No-Blame-Approach wird die Gruppe als ganzes gestärkt. Es wird eine Unterstützergruppe für das Opfer gebildet, die sich aus mehreren Kindern zusammensetzt.“ Dieser Ansatz habe häufig bei jüngeren Schülern Erfolg. Gemeinsam werde überlegt, wie die Situation für das betroffene Kind verbessert werden kann. Erfolgreich sei diese Methode, weil den Kindern Verantwortung übertragen wird. „Sie bekommen gegenseitig ein anderes Bild voneinander“, sagt Ute Eberitzsch.

Bei der Farsta-Methode sei ausgiebige Recherche gefragt: „Wer hat wann, was, wo gemacht“, seien die Fragen, die beantwortet werden müssten, ehe der Täter mit seiner Tat konfrontiert wird, erklärt Tanja Bornemann. „Der Täter soll zum Umdenken bewegt werden, wir wollen ihn als Partner gewinnen.“

Ansprechpartner gibt es auf allen Ebenen

Gibt es unter Schülern ein Problem, sind aber nicht nur die Schulsozialarbeiter Ansprechpartner. Das Angebot ist niederschwellig gestaltet, sodass Schüler auch auf ihre Klassenlehrerteams, Beratungslehrer, Klassen- und Schülersprecher oder Patenschüler zugehen können. Ständiger Kontakt wird nach Auskunft der Verantwortlichen auch zu außerschulischen Partnern gepflegt, wie dem Treffpunkt Windmühle oder dem Kinderschutzbund.

An der Gesamtschule Fröndenberg wird mit dem Thema Konflikt weitsichtig umgegangen: Viele Mitarbeiter der Schule sind Ansprechpartner in Krisensituationen, wie zum Beispiel die Schulsozialarbeiter Ina Dorn (von links), Tanja Bornemann und Hans Smedinski sowie die Abteilungsleiter Ute Eberitzsch (Jahrgänge 5, 6 und 7) und Peter Nolte (Jahrgänge 8, 9 und 10). © Angelina Zander

Eltern können sich beispielsweise an die Klassen- oder Schulpflegschaft sowie die Schulleitung wenden. Ziel sei es letztlich, auch die Eltern als Partner zu gewinnen. Das sei nicht immer leicht, erklärt Ina Dorn: „Eltern haben manchmal eine andere Vorstellung davon, wie Schule reagieren soll.“ Schwierig werde es nach Auskunft von Peter Nolte dann, wenn Eltern in Chatgruppen über mögliche Mobbingfälle diskutieren. „Das ist eine Dynamik, die es uns schwieriger macht. Das ist völlig kontraproduktiv.“ Denn zeitgleich könnte das Problem in der Schule schon geklärt worden sein.

(Hellweger Anzeiger, vom 15.01.22)

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