Schüler bereiten sich mit Stasi-Akten auf Besuch vor

Die Schüler der Gesamtschule bereiten sich auf einen besonderen Besuch vor: Die Politikerin und Bürgerrechtlerin Marianne Birthler hält in der kommenden Woche einen Vortrag in der der Aula.

Der Förderverein des Schmallenbach-Hauses hat wie bereits berichtet den Besuch der ehemaligen Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik organisiert. Unter dem Titel „Die DDR, die Revolution, die Einheit – mein Leben!“ spricht Marianne Birthler zunächst am Donnerstag, 5. Februar, ab 19.30 Uhr im Schmallenbach-Haus am Hirschberg. Dazu liest sie aus ihrer Biografie „Halbes Land – Ganzes Land – Ganzes Leben“, erzählt aber auch aus ihrem Leben. Die Abendveranstaltung wird Hans-Günther Friese, Vorsitzender des Fördervereins Schmallenbach-Haus moderieren. Im Anschluss ist ein kleiner Umtrunk vorgesehen. Es besteht auch die Möglichkeit, sich Birthlers Buch signieren zu lassen.

Einen Tag später, am Freitag, 6. Februar, hält die 67-Jährige dann von 9.40 bis 11.15 Uhr vor der Oberstufe der Gesamtschule einen Vortrag in der Aula. Für die Schülerinnen und Schüler ergibt sich mit dem Besuch so die seltene Möglichkeit, eine Zeitzeugin der DDR kennenzulernen, die als aktives Mitglied der DDR-Bürgerrechtsbewegung die friedliche Revolution 1989 in erster Reihe mitgestaltet hat. Die Problematik der Staatssicherheit in der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik führt die Schüler in die Auseinandersetzung mit den Fragen nach der Bedeutung von Bürgerrechten und dem Schutz gegenüber staatsfeindlichen Aktivitäten. Aber auch der persönliche Widerstand gegen den Unrechtsstaat und das Eintreten für Frieden und Freiheit gegenüber Freunden und Bekannten wurde thematisiert. Auf den Besuch von Marianne Birthler bereitet sich derzeit insbesondere die gymnasiale Oberstufe im Unterricht vor. In Gruppen haben Schüler so beispielsweise Stasi-Akten ausgewertet, die inzwischen veröffentlicht wurden. Besondere Aufmerksamkeit bekam der Fall der Ute Beden. Sie war Schülerin eines Kreiskinderheimes und gerade erst 16 Jahre alt, als sie von dem Ministerium für Staatssicherheit der DDR (MfS) angesprochen wurde, um als inoffizielle Mitarbeiterin (IM) zu arbeiten. Aufmerksam wurde das MfS auf das Mädchen, weil seine Mutter den mehrfachen Versuch unternahm, sie und ihren Bruder in die BRD zu schmuggeln. Dies wurde aber von der Stasi wiederholt verhindert. Ute Beden arbeitet von da an viele Jahre unter dem Decknamen „Shenja“ für das MfS. Sie beobachtete ihre Mitschüler und bespitzelte ihren späteren Ehemann. Erst nach dem Niedergang der DDR wurde bekannt, dass auch ihr Ehemann ein inoffizieller Mitarbeiter des MfS war. Es ist eines von zahlreichen Beispielen, die sich in tausendfach in der DDR ereignet haben.

Wie in ihrem Vortrag am Abend zuvor wird die Marianne Birthler ihren jungen Zuhörern in der Gesamtschule vom Unrecht in der DDR, den Ereignissen von 1989 und dem Streben nach politischer und persönlicher Freiheit berichten, die vielen längst selbstverständlich erscheint. Darüber hinaus wird Birthler ihre Sicht der Dinge über die weitere Entwicklung der Geschichte schildern.

[HA,vom 29.01.15]
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