Schülerfirma macht „Gesamtschule“ zu Mode-Marke

Frauke Friedrich und ihre Zehntklässler von der GSF schaffen ein textiles Wir-Gefühl. Noch ist die Kleidung zu haben.

Sabrina gehört zur Führung, ebenso Christina. Die beiden 17-Jährigen managen mit zwei weiteren Zehntklässlern der Gesamtschule Fröndenberg die „Schülerfirma WP 10“. Das Unternehmen setzt auf Mode mit Schullogo: T-Shirts, Kapuzenpullis, Jacken, Kappen, Taschen, Bändchen. Der erste Aufschlag im vorigen Herbst war so erfolgreich, dass die Jung-Unternehmer nachlegten. Die Bestellfrist endet am Mittwoch, 14. Februar. Wie funktioniert das Projekt?

Vom UCI zur Schule

Wir treffen Lehrerin Frauke Friedrich in einer Freistunde. Sie unterrichtet Wirtschaft und Japanisch. Die ungewöhnliche Fächer-Kombination gibt einen zarten Hinweis darauf, dass sie Quereinsteigern ist. Tatsächlich kommt die Fröndenbergerin aus der Wirtschaft. Die Betriebswirtin hat für den Kino-Konzern UCI gearbeitet. Sie weiß, wie sich Wirtschaft anfühlt. Über Projekte wie die Schülerfirma gibt sie es an Jugendliche weiter.

Nach innen, nach außen

Lehrerin Frauke Friedrich, Schülerinnen Sabrina und Christina: „Gesamtschule Fröndenberg“ wird Mode-Marke.

„Wir machen das, damit die Schüler lernen, wie eine Firma funktioniert, mit verschiedenen Abteilungen“, erläutert Frauke Friedrich. Am Anfang stand ein Organigramm. Auf die Führungsebene kamen Absprachen nach außen zu, mit der T-Shirt-Firma, aber auch Absprachen nach innen, mit der Schulleitung wie mit den eigenen Abteilungen.

Chefs als Team-Spieler

Wie viel Demokratie verträgt ein Schüler-Unternehmen? Frauke Friedrich schmunzelt: „Viel Demokratie. Ich gebe nicht gern Sachen vor. Wir diskutieren alles im Kreis der 23 Schüler, und dann wird entschieden.“ Umgekehrt verstehen sich auch die Schüler-Chefs als Team-Spieler.

Hollywood-Profi-Sport

Und das Produkt? Schnell war dem Wirtschaftsjunioren klar, dass sich Mode mit der Marke „Gesamtschule“ in zeitgeistigem College-Design gut verkaufen würde. Über Kleidung lässt sich leicht ein Wir-Gefühl herstellen. Hollywood und Profi-Sport nutzen das längst. Experten sprechen von „Merchandising“.

Größere Rabatte?

Wie läuft der Vertrieb? Die Jung-Unternehmer orderten keineswegs vorab größere Mengen in der Hoffnung auf größere Rabatte.

„Dabei“, weiß Frauke Friedrich, „besteht immer die Gefahr, dass etwas liegen bleibt. Wenn wir bestellt hätten, hätten vielleicht die Größen nicht gepasst – oder die Farben.“

Abnahme-Pflicht

Die Schülerfirma ging, nach kurzer Diskussion, einen anderen Weg. Sie ordert nach Auftragslage. „Es gibt Bestellzettel“, erklärt Frauke Friedrich, „alle Schüler sind informiert worden.“ Sie können Muster ansehen und, mehr noch, anprobieren. Daher besteht für Besteller Abnahme-Pflicht.

Restaurant-Besuch und Spende

Wie kalkuliert die Firma? Reicht ihr schlichte Kostendeckung? Will sie einen kleinen Gewinn? Oder geht das Unternehmen gar aufs Ganze? „Die Schüler haben gesagt: ,Wir sind eine Schülerfirma, wir dürfen das im Unterricht haben.’ Am Ende haben sie gesagt: ,Wir wollen etwas Gewinn machen.’“ Und zwar so viel, dass es vor den Sommerferien für einen gemeinschaftlichen Restaurant-Besuch reicht. Was die Zehntklässler an Extra-Gewinn einfahren, wollen sie spenden.

Keine Silbe von Geld und Gewinn

Treibt das die Schüler an? Wir treffen in der Pause Sabrina und Christina – am Stand ihrer Schülerfirma, wo die Kollektion gesichtet, bestellt, abgeholt werden kann.
Erstaunlich: Die beiden 17-Jährigen sprechen mit keiner Silbe von Geld und von Gewinn. „Man hat Spaß im Team“, sagt Sabrina, „man lernt seine Fähigkeiten kennen, mit anderen Leuten zu reden.“ Christina ergänzt: „Man darf kreativ sein, und man darf mitentscheiden.“ Kurzum: „Man lernt für die Zukunft.“

(Westfalenpost, vom 31.2018)

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