Märchenhafter Erfolg für Fröndenberger Gesamtschüler

Schülertheaterstück „Es war einmal ein Mord“, Gesamtschule Fröndenberg: Der Literaturkurs Q2 des vorigen Jahres fährt einen Riesenerfolg ein.

Fröndenberger Gesamtschüler machen Theater. Mit Erfolg: Ihr Stück wird vom Deutschen Theater-Verlag veröffentlicht. Worum geht’s?

Die Dekoration scheint passend. Girlanden, Papphütchen und ein Bürostuhl-Schoner mit Krönchen: Das ist die Kulisse für Sieger. Tatsächlich hatte der Literaturkurs des vorigen Jahres Grund zur Freude. Ihr Theaterstück „Es war einmal ein Mord“ wird verlegt. Auf Aufforderung von Schul- und Amateurtheatern wird das Stück vom Deutschen Theater-Verlag als Zwölfer-Rollen-Satz gedruckt. Doch die Deko im Büro von Fröndenbergs Gesamtschul-Leiter Klaus de Vries gilt nicht den pfiffigen Schauspiel-Talenten; sie gilt ihm selbst. Kollegen haben ihren Chef zum 59. Geburtstag mit einer Überraschung beglückt.

Der Plot, die Figuren

Der Titel des Schülerstücks erinnert an Sergio Leones Gangster-Klassiker „Es war einmal in Amerika“. Tatsächlich aber hat das elfköpfige „Autorenkollektiv 12.001“ um Deutsch-Lehrer Matthias Kuhr Motive aus Märchen der Gebrüder Grimm verarbeitet. Wie geht das?

„Zunächst mal“, erinnert sich Theater-Pädagoge Kuhr, „diskutierte der Literaturkurs Q2 über das Thema des Stücks. Das Ergebnis war irgendetwas mit Märchen.“

Nach der ersten Kreativ-Runde der insgesamt 40-köpfigen Truppe schlägt die Stunde der Autoren. Lehrer Kuhr eingerechnet, entwickeln elf kluge Köpfe den Plot mit Genre-Zuordnung, die Figuren mit Hintergrund-Biografie.

Ideen-Kompott

„Am Anfang gab’s ein Ideen-Kompott“, bilanziert Patricia da Silva, „jeder hat Ideen einfließen lassen.“ Die jungen Theatermacher haben miteinander geredet – und nicht gegeneinander diskutiert.

Schulleiter Klaus de Vries weiß das zu schätzen. Auf den ersten Blick ist es um Kultur gegangen, auf den zweiten Blick hat sich das Team zum Star entwickelt. „Arbeitgeber achten heutzutage darauf“, weiß er. Ein Manager-Blick auf den Wert kulturellen Schaffens.

Märchen-Schurken müssen brummen

Am Ende sind die Autoren geschafft, das Ziel ist erreicht. Die Grundidee des Stücks: Die beliebtesten Märchen-Schurken, Eifersuchtsekel Rosenrot inklusive, müssen für ihre Missetaten im Knast brummen. Da geschieht ein Mord. Es wird nicht der letzte bleiben. Die Handlung läuft auf eine klassische Frage hinaus, die in den meisten Krimis den Spannungsbogen trägt: Wer war’s?

Bei den beiden Aufführungen im Mai vorigen Jahres ist die Rechnung der Autoren aufgegangen. „Das Publikum“, erzählt Autorin Birte Hartwig, „war schon in der Pause total euphorisch. Leute wollten uns um den Finger wickeln, um herauszufinden, wer der Täter war.“ Birte Hartwig macht lächelnd eine Kunstpause. „Wir haben nichts gespoilert.“

Der Lehrer hat einen Plan

Am Ende sind der Vorhang zu und eine Frage offen: Was passiert mit dem Stück, das so viele Zuschauer in der Aula der Gesamtschule Fröndenberg begeistert hat? Matthias Kuhr hat einen Plan, und er ist zuversichtlich, dass er funktioniert. Er will dem Deutschen Theaterverlag die moderne Sicht auf Metzeln im Märchen schmackhaft machen. Kuhr weiß: Im vergangenen Jahr hat es schon einmal geklappt. Damals hat der Verlag die Fröndenberger Version von Goethes „Faust“ unters Volk gebracht. Warum nicht nachlegen?

Kuhr wagt, schreibt und gewinnt. „Vor 14 Tagen hat der Verlag unser Stück veröffentlicht“, sagt er fast beiläufig. Doch seine leuchtenden Augen verraten, dass er den Erfolg genießt – wie seine Schüler-Truppe.

Nach dem Märchen folgt der Horror

Für Birte Hartwig & Co. ist die Veröffentlichung ihres Bühnen-­Krimis das sprichwörtliche Sahne­häubchen auf der Schullaufbahn. Am Ende der Woche ist für sie die reguläre Schulzeit vorbei. Für die Abiturienten der GSF beginnt am Montag die inzwischen traditionelle Motto-Woche. „Unser Thema“, verrät Birte Hartwig, „ist Horror.“

Gibt es eine Verbindung zum Märchen-Drama? Die Schülergruppe lacht. „Ja, klar“, heißt es übereinstimmend. Beim Studium der Grimm’schen Originale ist den Jugendlichen klar geworden, dass Mord und Totschlag nicht nur bei „Hänsel und Gretel“ eine zentrale Rolle spielen.

Bühne frei

Apropos Rolle spielen. Lena Gramsch hat Feuer gefangen. Sie hat Ideen entwickelt, Konflikte moderiert, das Stück mitgeschrieben und nicht zuletzt auf der Bühne gestanden.

Das ist offenbar nur der Anfang. „Ich will mich“, umreißt die junge Frau ihre Zukunftspläne, „beim Theater Total bewerben, ein Jahr dabei bleiben und dann sehen, was sich ergibt.“ Hoffentlich gibt’s ein Happy-End.

>> INFO

Literatur-Experte Matthias Kuhr wurde unterstützt von seiner Kunst-Kollegin Bianca Luig.

Eine wichtige Rolle spielte auch Miriam Schößler. Die Design-Studentin nähte 20 Kostüme. Mit Geschick und Geschmack wurden sie für alle
40 Mimen passend gemacht.

(WP vom 14.03.2018)

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