GSF-Schüler nehmen an bpb-Politikstunde zum Rechtsrock teil

Anlässlich des 76. Jahrestages der Befreiung des Konzentrationslagers Ausschwitz veranstaltete die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) in Kooperation mit dem Haus der Geschichte in Bonn am 27. Januar 2021 eine Politikstunde zum Thema „Rechtsrock – zwischen Hetze und Geschäft“. Die Schüler der Sozialwissenschafts-Grundkurse in der EF und der Q2 des Herrn Schnettler konnten dabei einen interessanten Einblick in das Thema und seine Bedeutung gewinnen. Gast der Veranstaltung, an der die Zuschauer über die sozialen Medien teilhaben konnten, war der Mainzer Musikwissenschaftler Dr. Thorsten Hindrichs.

Definition des Rechtsrocks

Dr. Simone Mergen, Bildungsreferentin im Haus der Geschichte Bonn, beginnt den Livestream in einer dortigen Musikausstellung. Diese sei aus bekannten gründen derzeit geschlossen, solle aber ab dem Frühjahr 2021 für Besucher geöffnet werden. Die Ausstellung behandelt das Verhältnis zwischen Politik und Musik, das sich beispielsweise in den 1950ern mit den „Halbstarken“ oder in den 1980ern mit dem „Punk“ zeige. Musik werde in beiden Bewegungen als Zeichen des Protestes gegen die ältere Generation genutzt. Der „Rechtsrock“ indes bezeichne kein konkretes Genre wie der Rock oder der Punk, sondern definiere sich durch seine ideologisch geprägten Liedtexte oder die Gesinnung des Interpreten. Mitnichten beschränke sich der Rechtsrock daher auf den Rock. Auch Dr. Hindrichs betont, der Rechtsrock selbst sei genreübergreifend aktiv und dabei selbst einem Paradoxon ausgesetzt, wenn es um rechtsextremistische Musik im Rap gehe. Der Rap habe seine Ursprünge in der farbigen Jugendkultur der Vereinigten Staaten im 20. Jahrhundert. Hier läge insofern ein Widerspruch zur Ideologie der Rechtsextremen vor.
CDs des Rechtsrocks, die früher noch auf Schulhöfen verteilt worden seien, sind Teil der Bonner Ausstellung. Dr. Mergen erklärt, dass deren Motive absichtlich mit Störern bedeckt seien, um das Gedankengut und die teils verbotenen Symbole nicht offen zur Schau zu stellen. Dr. Hindrichs beschäftigt sich in der Folge mit der Frage, wie man dem Rechtsrock begegnen könne. Er erklärt, dass Schüler heutzutage nicht mehr über auf dem Schulhof verteilte CDs an diese Musik gelangten, sondern eher über das Internet. Ferner sei die Zielgruppe des Rechtsrocks gar nicht die Schülerschaft. Vielmehr richte sich der Rechtsrock an die eigene rechtsextremistische Szene, deren Teil sie ist. Hier finde man vor allem männliche Personen über zwanzig Jahren vor. Die Szene gliedere sich darüber hinaus in verschiedene Organisationsformen wie Parteien und Kampfvereinigungen, die sich wiederum in ihrer Ausrichtung unterschieden. Einige setzten auf Quantität, um die Masse zu erreichen und dadurch einen eigenen Staat aufbauen zu können. Andere wiederum setzten auf Qualität, um die eigene Bewegung ideologisch „rein“ zu halten.

Maßnahmen gegen den Rechtsrock

Auf die Frage eines Zuschauers hin, welche rechtlichen Möglichkeiten es in Bezug auf den Rechtsrock gebe, führt Hindrichs die Anzeigemöglichkeit bei den Staatsanwaltschaften auf. Darüber hinaus könnten Körperschaften des öffentlichen Rechts, nicht jedoch Privatpersonen oder Unternehmen, über das Jugendschutzgesetz eine Indexierung vornehmen.
Eine weitere Frage, die aus Reihen der Fröndenberger gestellt wird, beschäftigt sich mit den konkreten Handlungsoptionen an Schulen. Hier hält Dr. Hindrichs vor allem die Präventionsarbeit für geboten. Dies könne beispielsweise durch Workshops des Netzwerkes für Demokratie und Courage geschehen. Lehrer sollten sich in konkreten Fällen, in denen ein Schüler dem Rechtsextremismus geneigt zu sein scheint, im Kollegium beraten und bei Bedarf auch externe Beratung in Anspruch nehmen. Eine pauschale Antwort auf das Handeln in solch einem Falle könne es hingen aufgrund der Besonderheiten im Einzelfall nicht geben.

Rechtsrock keine „Einstiegsdroge“, sondern ein großes Geschäft

Der Mainzer Musikwissenschaftler unterstreicht, dass es im Rechtsrock vornehmlich um das Erwirtschaften von Geld, die Bildung von Netzwerken und die Außendarstellung in der Gesellschaft gehe. Die Rekrutierung von Schülern gehöre ausdrücklich nicht zu den Hauptzielen dieser Musik. Hier werde oftmals eine zu starke Wirkung von Musik auf das Individuum angenommen. Tatsächlich sei die Wirkung von Musik unterschiedlich und hänge auch von weiteren Faktoren ab: So gebe es manche Tage, an denen man ein Lieblingslied gerne höre, wohingegen man es bei schlechter Laune gar nicht hören möchte. Der Rechtsrock ist insofern nur ein Bestandteil der Szene, wie sie auch der der Kraftsport sei. Von diesem aber habe Dr. Hindrichs noch nie gehört, dass er eine „Einstiegsdroge“ in den Rechtsextremismus sein solle.
Der Einstieg in diese Szene hänge vordergründig vom eigenen Umfeld – der Familie, den Freunden oder den Nachbarn ab. Andere Faktoren seien da eher unbedeutend. Es sei ein langer und komplexer Prozess, bis in einer Person eine rechtsextremistische Gesinnung entstehe.
Die rechtsextremistische Szene sei ein großes Geschäft, bei dem jährlich bis zu zwei Millionen Euro Gewinn im Jahr erwirtschaftet werde. Das sei nicht nur den rund 35 000 jährlichen Konzertbesuchern zu verdanken, sondern auch – wie in anderen Bereichen der Musik – durch Merchandising. Das erwirtschaftete Geld flösse dann wieder in die eigene Szene zurück, beispielsweise indem man Immobilien für Konzerte kauft. Dadurch entstünden weniger Probleme bei der Auswahl des Ortes eines Konzerts und auch die Ermittlungsbehörden hätten es schwieriger, illegale Aktivitäten zu unterbinden.

Erkennung von Rechtsrock

Rechtsrock ließe sich am einfachsten durch offensichtlich rechtsextremistische Zeilen erkennen. In verdeckten Fällen sei es jedoch erforderlich, Schlüsselbegriffe wie „großer Austausch“ (Verschwörungstheorie) zu erkennen oder auf Symbole wie das Hakenkreuz zu achten. Schließlich bestünde die Möglichkeit, sich über das Plattenlabel des Musikers zu erkundigen und so die Zugehörigkeit zur rechtsextremistischen Szene in Erfahrung zu bringen. Als für am wichtigsten hält Dr. Hindrichs es aber, dass man eine gefestigte eigene Weltanschauung habe, die das beste Mittel gegen den Rechtsextremismus und seine Lieder sei.
Mit dem Hinweis auf die übliche Länge einer Unterrichtsstunde von fünfundvierzig Minuten und der Zusammenfassung der rechtlichen Möglichkeiten des Bürgers endet die siebenundvierzigste Politikstunde der Bundeszentrale für politische Bildung.

von Fatih Asıl, Q2

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