„Ein bisschen Stöhnen und Verbrennen gehört dazu“

Beim Zukunftstag Girls‘ Day schnuppern junge Frauen in Männerberufe hinein

Im Arbeitsraum im Keller des Berufsbildungszentrums Hellweg-Lippe herrschte absolute Stille. Vier Schülerinnen der Anne-Frank-Realschule Unna arbeiteten konzentriert mit Lötkolben an verschiedenen Objekten. So wie Isabell, Maria, Vanessa und Lisa bekamen auch ihre Mitschülerinnen im gesamten Kreis neue Einblicke. Etwa in die Feuerwache Unna oder technische bzw. handwerkliche Bereiche des Hellweg-Berufskollegs und des Märkischen Berufskollegs. Die Jungen der Klassen 5 bis 9 schauten dagegen Kindergärtnerinnen und Altenpflegerinnen auf die Finger.

Ziel des Girls‘ Day ist, Mädchen für technische und naturwissenschaftliche Berufe zu begeistern, die von jungen Frauen selten gewählt werden. In Bergkamen beteiligten sich gestern neun Unternehmen an dem Mädchen-Zukunftstag. Allein bei der Firma Bayer Schering Pharma experimentierten 100 Schülerinnen in Labors und lernten etwa, wie man Farbstoffe aus Blüten extrahiert. Mit Amphibien und den Aufgaben einer studierten Biologin befassten sich die Schülerinnen, die ihren Tag an der Ökologiestation in Bergkamen verbrachten.

Foto: Hellweger Anzeiger

Auch an der Gesamtschule Fröndenberg tauchten Mädchen in typische Männerberufe ein. Die Jungen mussten aber nicht die Schulbank drücken, während ihre Schulkameradinnen einen spannenden Tag erlebten. Für sie gab es auf dem Schulgelände eine Aktionsschulung: Sie mussten auf einem Parcours mit sieben Stationen klettern, mit Stäben laufen, Bogenschießen und vieles mehr. Wie der Berufsalltag eines Feuerwehrmannes aussieht und wie er reagieren muss, wenn ein Alarm losgeht, ließen sich acht Kamener Schülerinnen zeigen.

In der Feuer- und Rettungswache Kamen standen ihnen die Experten Rede und Antwort. Junge Frauen sind heute gut qualifiziert, verfügen über eine gute Schulbildung. Trotzdem wählen sie in der Regel keine Berufe, die als typische Männerberufe gelten. Andreas Fröhlich, Elektro- und Ausbildungsmeister im Berufsbildungszentrum der Kreishandwerkerschaft Hellweg-Lippe, hat seit 2004 nur etwa fünf junge Frauen in seiner Lehrwerkstatt ausgebildet. „Auch wenn viel daran gearbeitet wird, ist das im Handwerk nach wie vor ein Problem“, stellt er fest.

Die vier Mädchen in seiner Werkstatt machten sich gestern gut. „Sie sind sehr motiviert. Und ein bisschen Stöhnen und Verbrennen gehört einfach dazu“, bilanziert der Elektromeister. In Holzwickede hatten sich Pia Freeze und Enya Benthaus in der Gemeindeverwaltung nach dem Girls‘ Day erkundigt. Gleichstellungsbeauftragte Christel Hauske organisierte für die beiden einen Infotag in den verschiedenen Fachbereichen der Gemeindeverwaltung. Die Baustelle im Emscherpark, der Bürgerwald und der Wertstoffhof waren einige der Stationen. Die Gemeinde hat früher eine Gärtnerin und eine Schwimmmeisterin ausgebildet. Die Gärtnerin arbeitet auf dem Baubetriebshof. „Wir haben keine Berührungsängste“, sagte Ausbildungsleiter Karl-Heinz Brock. Die Mädchen auch nicht.

Das trifft auch auf Pia Hegener zu. Sie schrubbte das große Becken im Freibad Schöne Flöte. Ihr Vater ist dort Schwimmmeister und hatte seine Tochter im Schlepptau. Am Girls‘ Day packte Pia mit an. Die Mittagspause mit „Lehrmeister“ Michael Hegener war wohlverdient.

Von Nadja Schöler und

Gabriele Hoffmann

[Hellweger Anzeiger, vom 23.04.2010]
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